Gemeinschaftspraxis für Kieferorthopädie

Kiefergelenkerkrankungen (CMD Syndrom)- Funktionslehre in der Kieferorthopädie

Das Kiefergelenk ist eines der meist gebrauchten Gelenke in unserem Körper. Es nimmt eine zentrale Stellung in unserer gesamten Körperstatik ein. Sowohl beim Kauen, als auch beim Sprechen müssen die Kiefer komplizierte und genau aufeinander abgestimmte Bewegungen leisten. Der Regelkreis Zentrales Nervensystem ­Nerven ­Rezeptoren (Nervenfühler) steuert und kontrolliert dieses Zusammenspiel von Kaumuskeln, Gelenk und Kiefer.

Wenn ein Teil dieses Systems gestört ist, kommt es zu sogenannten Funktionsstörungen. Das Gelenk arbeitet nicht richtig mit den beteiligten Muskeln und Bändern zusammen oder es liegen Störungen im Gelenk selbst vor. Die Symptome der Kiefergelenksbeschwerden umfassen Wangenschmerzen im Bereich des Ohres, Mundöffnungseinschränkungen und Kiefergeräusche (Gelenkknacken und ­reiben, Zähneknirschen), Kopfschmerzen, Schmerzen in der Wirbelsäule und Tinnitus

Die Philosophie unserer Praxis ist es, Funktionsstörungen rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Zahnstellung

Bewegen sich die Kaumuskeln, kommt es immer zu Folgebewegungen innerhalb unseres gesamten Bewegungsapparates und umgekehrt. Mit unserer kieferorthopädischen Behandlung nehmen wir Einfluss auf diese Bewegungskette der Muskulatur.

Deshalb untersuchen wir routinemäßig bei jedem Patienten mit der manuellen Funktionsanalyse, der Untersuchung der Körperstatik und der instrumentellen Okklusionsanalyse die Funktion und Belastung des Kausystems und den Verzug der Körperstatik.


  1. Manuelle Funktionsanalyse (MFA)

Bei der manuellen Funktionsanalyse werden die Kiefergelenke und die Muskulatur durch spezielle Handgriffe auf abweichende Symptome hin untersucht. Dabei wird festgestellt, ob Muskelschmerzen, Schmerzen im Gelenk, Geräusche oder Abweichungen der Kiefergelenkbewegung bei Mundöffnung/Mundschluss zu erkennen sind. Je nach Ergebnis und Behandlungsverlauf muss diese Untersuchung wiederholt werden.

Funktionsanalyse_1nach oben


  2. Untersuchnung der Körperstatik

Kiefergelenk, Kaumuskulatur, Kopfhaltung, Wirbelsäule und Becken stehen immer miteinander in Verbindung. Kommt es in diesen Bereichen zu Störungen, kann sich daraus das CMD-Syndrom (Craniomandibuläres Dysfunktionssyndrom) entwickeln. Nacheinander werden Becken-, Schulter- und Kopfhaltung sowie Beinlänge bewertet und auf Fehlhaltungen geachtet. Dabei werden die Funktion und die Schmerzpunkte überprüft. Werden Befunde festgestellt, wird eine begleitende physiotherapeutische Behandlung (Osteopathie, Craniosacraltherapie) eingeplant.


  3. Instrumentelle Okklusionsanalyse und Feststellung der zentrischen Position
       der Kiefergelenke

Funktionsanalyse_1

Dabei handelt es sich um eine patientengetreue Übertragung der Bisssituation in einen Kausimulator. Dafür wird mit einer Bissgabel und einem Gesichtsbogen die räumliche Lage des Oberkiefers zum Gesichtsschädel und die Gelenkachse in einen halbindividuellen Artikulator (Kausimulator) übertragen. Die Zuordnung des beweglichen Unterkiefers zum Oberkiefer erfolgt mit einem „Zentrikregistrat”. Dabei soll der Unterkiefer mit den Kiefergelenkköpfchen in der muskulär entspanntesten Position in der Gelenkpfanne stehen.

Diese muskuläre Entspannung erzeugen wir mit Ohrakupunktur (nur bei den Erwachsenen) und dem 10 minütigen Beißen auf einen Äquilizer. Anschließend wird diese Bisssituation mit einer Spezialwachsplatte registriert und damit das Unterkiefermodell in den halbindividuellen Artikulator (Kausimulator) eingestellt.

Funktionsanalyse_1nach oben


Bei der Analyse der Untersuchungen zeigt sich, ob es einen Unterschied zwischen dem Zusammenbiss der Zähne in der idealen, zentrischer Kiefergelenkposition und dem gewohnheitsmäßigen Zusammenbiss der Zähne gibt. Wenn ein Unterschied besteht, befindet sich beim gewohnheitsmäßigen Zusammenbiss das Kiefergelenk nicht in der idealen Position. Der Grund dafür liegt häufig in Zahnfehlstellungen. Dies kann eine Ursache für viele Beschwerden wie Kiefergelenkknacken, Kopf- und Muskelschmerzen, Halswirbelbeschwerden und Tinnitus sein.

Diese Untersuchungen der Funktion des Kiefergelenkes und der Körperstatik gehören nicht zu den vertragszahnärztlichen Leistungen für gesetzlich Versicherte.


  Gnathologische Aufbissschiene

Am Anfang der Therapie des Craniomandibulären Dysfunktions-Syndrom (CMD-Syndrom) steht in vielen Fällen die gezielte Behandlung mit einer speziell konstruierten „Bissschiene” (Fachbegriff: „gnathologische Aufbissschiene” oder „Okklusionsschiene”).

Wir fertigen diese Schienen im Unterkiefer an.

Zur Anfertigung der Bissschiene ist immer eine manuellen Funktionsanalyse, die Untersuchung der Körperstatik und die instrumentellen Okklusionsanalyse notwendig. Dadurch wird die Höhe und das Design der Schiene festgelegt.

Funktionsanalyse_1nach oben


Dies speziellen gnathologischen Schienen stützen die Zähne in korrigierter Gelenkposition so ab, dass die Kiefer wieder entspannt aufeinander ruhen und sich bewegen können. Die Kaumuskulatur entspannt dadurch und die Kiefergelenkköpfchen stehen idealer und die Schmerzen im Kiefergelenk nehmen ab. Zusätzlich wird dadurch der Druck von den knöchernen Schädelstrukturen genommen, so dass sich Kopfschmerzsymptome und Tinnitusbefunde reduzieren könen.

Durch diese gnathologischen Schienen bewegen und beeinflussen wir die Kaumuskulatur und es kommt immer zu Folgebewegungen innerhalb unseres gesamten Bewegungsapparates und umgekehrt. Deshalb kann keine erfolgreiche Behandlung ohne eine begleitende physiotherapeutische Behandlung erfolgen. Wir empfehlen eine ganzheitliche osteopathische (craniosacrale) Therapie. In vielen Fällen wird auch begleitende Akupunkturbehandlung und das Erlernen einer stressabbauenden Entspannungstechnik notwendig.

Da sich die Kieferpositionen im Laufe dieser Behandlungen verändern und anpassen, ist es unverzichtbar, dass die Schienen regelmäßig (möglichst unmittelbar nach jeder physiotherapeutischen Sitzung ) kontrolliert und in ihrer Position behutsam angepaßt werden. Für die Kontrolle verwenden wir nur allerfeinste Bissprüffolien in der „Stärke” 10 µm – ein Fünftel der Dicke eines Menschenhaars!